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Persönliches

Unbesorgtes Kinderlachen

Leise summte der Rechner in seinem Zimmer. Das Geräusch schmerzte ihn. Er hörte es die letzten Tage, die letzten Wochen zu oft und zu lange. Warum weiß er selbst nicht genau. Aber zum ersten Mal war er es leid. Es scheint als stünde ein ganzer Spielmannszug in seinem Nacken und posaunte aus allen Ecken und Enden.
Warum er seine Zeit dermaßen vergeudete, konnte er selbst nicht sagen. Er hatte ein Problem mit sich selbst. Welches es aber war, wusste er nicht zu definieren. Vielleicht fehlte im ein Ziel? Eine Erfüllung? Vielleicht hatte er auch die Schnauze vom Single-Dasein voll und wollte sich nicht länger mit oberflächlichen Bekanntschaften abgeben. Er musste etwas unternehmen.

Er trat hinaus in den sonnigen Herbsttag. Seine Nasenflügel weiteten sich und sein Bauch wurde zu einer großen, runden Kugel. Herbstluft. Als Kind sagte er immer, dass sie nach „Drachensteigen“ rieche. Und jetzt. In diesem Moment: Sie roch nach Drachensteigen. Laub befüllte die Wege und unter dem Blätterwald verborgen, suchten die Früchte des Herbstes ihren sicheren Schutz. Er war allein und dadurch das erste Mal in angenehmer Gesellschaft. Er hatte sich selbst wieder gefunden. Jetzt wusste er auch, was er solange vergeblich gesucht hatte. Er ließ das Laub rascheln und die rot-gelben Blätter flogen. Als niemand auf der Straße zu sehen war, sprang er im Hopserlauf die Allee hinab. Hoch und weit. Von links. Nach rechts. Vor. Zurück. Das Lächeln, welches sich auf seinem Gesicht abzeichnete hatte etwas Bubenhaftes und auch sein Gemütszustand glich dem eines Siebenjährigen.

Wie schön war es noch, als man sich selbst genügte? Als es keinen Erwartungsdruck von Außen gab? Als man die Welt noch entdecken durfte und man nicht gezwungen war, sich mit ihr für immer und ewig zu arrangieren.

Keuchend vor Euphorie setzte er sich auf die feuchte Wiese nahe der Allee. Sie duftete. Hinter ihm ließen Kinder mit ihren Eltern Drachen steigen.
So schaute er dem bunten Treiben und den flatternden Ungeheuern zu bis ihn sein Handy aus den Tagträumen und zurück in sein wahres Leben riss.
Als er sich erhob und auf den Nachhauseweg machen wollte, bemerkte er Erdflecken an seiner Hose. Strahlend lief er zurück in seine Einraumwohnung und dachte bei sich: „Die bekommt Mama schon sauber.“
Und ein letztes Mal strahlte der Siebenjährige zufrieden und unbesorgt hinaus in die Welt.


16.2.07 01:23


"Ich schlafe lieber allein!"


Meine geistigen Kräfte erwachten langsam, doch meine Augen blieben noch geschlossen. Meine Sinne und Gedanken fanden als erstes den Weg aus dem Schlaf…
Die Luft lag schwer in dem Raum, ich musste wohl vergessen haben das Fenster zu öffnen. Mein Zimmer wurde von einem beißenden Geruch dominiert. Einer dieser Gerüche, der mir sofort ein schlechtes Gewissen einredete. Zu recht, wenn ich den Verlauf des letzten Abends bedachte. Ich rekonstruierte mein Wissen und dachte daran, dass sich in diesem Augenblick jemand mit mir das Bett teilen müsste. Ja, dem war so. Das verriet das Bein, das quer auf dem meinigen lag. Ich war nicht allein.
„Was hast du nur gemacht?“ fragte mich mein Gewissen und sprach sich gleichzeitig mit dieser Frage gegen mein Verhalten aus. „Keine One Night Stands!“ Das war bis gestern die klare Vereinbarung zwischen meinem Verstand und meinem Schritt. Mein Verstand setzte sich damals mit der Argumentation durch, dass „wir“ keine Mädchen wollten, die jede Nacht woanders nächtigen und leichter zu bekommen sind als 5 Gramm Gras auf der Hanfparade. Das hatte gesessen und die Mitte meines Körpers gab niedergeschlagen nach. Das war damals.

Ihr Bein bewegte sich auf mir und ich reiste noch einmal in die letzten Stunden des Vorabends zurück:
„Darf ich bei dir schlafen?“
„Nein!“ (ihren Schock über diese unerwartete Antwort sollte ich Stunden später erfahren)
„Warum nicht?“
„Ich schlafe lieber allein“, log ich, „da habe ich mehr Ruhe.“
„Okay, dann gehe ich mit meinen Leuten Heim“
„Ja, mach das. Tut mir Leid.“
Warum sie doch bei mir schlief? Ihre Freunde traten ohne ihr den Rückweg an und ich hatte ein schlechtes Gewissen sie allein durch die Stadt fahren zu lassen, also willigte ich Widerwillens ein.

„Nun gut. Also nicht allein“, dachte ich, „dann wollen wir mal nachsehen, was du dir gestern an Land gezogen hast.“ Nicht, dass ich es gar nicht mehr gewusst hätte, aber nachts sind bekanntlich alle Katzen grau. Jetzt war ich nüchtern und hoffte inständig, dass das Ergebnis nicht ernüchternd ausfällt.
Ich atmete durch und merkte erneut, dass atmen in diesem Raum kaum möglich war. Das Gemisch aus Bier, Rum und Zigarettenqualm war einfach zu stark. Ich wollte das Fenster öffnen, aber zuerst waren die Augen an der Reihe. Mit dieser Aufgabe ließ ich mir Zeit. Ich wollte den Überraschungseffekt bewusst erleben, glaube ich. Es war ein bisschen so, wie Weihnachten Geschenke auszupacken und ich fand unter dem Geschenkpapier und hinter dem Dunst des Vorabends die ersehnte Carrera-Bahn.

Mit dunklen Haaren und braungebrannt lag sie in meinen Basketballshorts neben mir. Das rechte Bein erkämpfte sich den Weg aus der Bettdecke, schlängelte sich um mich herum und zeigte mit den Zehenspitzen auf ihre grauen Chucks, die am Fußende umgestoßen dalagen.
„Wow“, war mein erster und primitiver Gedanke. Ich konnte es nicht glauben und ebenso wenig meinen Blick von ihr wenden. Ich muss lächerlich ausgesehen haben, so wie ich sie anstarrte. „Sie ist der wahnsinn“, war dann der etwas weiter reichende Gedanke, der meine zunehmende und sich schlagartig ausbreitende Wachheit dokumentierte, jedoch noch nicht von mehr Intelligenz zeugte.
Normalerweise hört man ja nur von Schreckerlebnissen, die die sofortige Flucht nach Vorne nach sich ziehen. Dem war nicht so. Ich wollte einfach nur so liegen bleiben und diesem wunderschönen Gesicht beim Schlafen zusehen. Das durfte ich jedoch nicht lange. Ihre Augen öffneten sich bald, sie lächelte schwach, sie flüsterte ein verschlafenes „Guten Morgen“ in meine Richtung und begann damit mich sacht zu berühren.
Der Tag ging so weiter bis die Sonne hinter den Häusern verschwand: Küsse, Streicheleinheiten, Gespräche und Lachen.
Als ich abends allein war, kreisten meine Gedanken nur um diesen Abend. Meine Begeisterung und Faszination war zu groß um sie samt des Tages zu vergessen. Es war einmalig!
„Und genau das sollte es auch bleiben, wenn du diesen Moment bewahren willst“, lautete der Funkspruch meines Gehirns in Richtung Fortpflanzungszentrum.
So richtig mein Verstand damit auch lag, wenn ich das nächste Mal gefragt werde, ob ich einen Platz in meinem Bett frei hätte, wird es ein schweres Unterfangen zu sagen: „Nein, ich schlafe lieber allein!“



16.2.07 01:17