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Weiße Rosen auf dem Schulflur

Wild herum schießen. Das fasziniert die Menschen schon seit Gedenken. Sei es um Mammuts zu erlegen oder um zwei Fremde mit Hilfe von Pfeil und Bogen zu einem Liebespaar zu verwandeln. So tat es zumindest der römische Gott Amor, doch er hat junge Konkurrenz bekommen, die sich namentlich sogar an den Liebesgott anlehnt. Der neue und böse Zwilling von Amor heißt Amok. Sein Ziel ist jedoch nicht das Reich der Liebenden, sondern dass der Toten. Gejagt wird auch nicht auf Wolke 7, sondern auf den Schulfluren Deutschlands.

Doch, was gehört dazu, um einen Plan in die Tat umzusetzen? Was muss bedacht werden?
Beginnen wir mit der Werbung. Man muss polarisieren. Das ist einfach, denn wozu gibt’s das Internet. Schnell ist heutzutage eine Ankündigung des Vorhabens im Videoformat bei Youtube hochgeladen, bei Myspace findet man Freunde, mit denen man sich über Taktiken austauschen kann und im Studiverzeichnis kann man dann noch erste Fans in der selbst gegründeten Gruppe „Hurra Hurra, die Schule rennt“ sammeln. Und schon ist Deutschland in Alarmbereitschaft, Schüler haben Unterrichtsfrei und die Nachrichtendienste übernehmen das Übrige.

Stellt sich noch die Frage, in welcher Schule man die Kugeln auf Verfolgungsjagd schickt. Das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Botschaft, denn die sollte man unbedingt vermitteln. Wenn man gegen Ungerechtigkeit antritt ist eine Geschwister-Scholl-Gesamtschule wie in Emsdetten prinzipiell schon nicht schlecht, jedoch sollte man nicht vergessen Flugblätter im Schulgebäude zu verteilen und vielleicht auch eher eine „weiße Rose“ in dem Lauf haben. Wenn man sich jedoch unverstanden fühlt und man mit roher Gewalt auf sich aufmerksam machen möchte, um die schulische Führung zu erschüttern, sollte man eine Ulrike-Meinhof-Schule wählen. Geht es um bloße Rache, weil man der Arsch der Klasse war, spielt der Name keine Rolle mehr. Also rein in die Schule, ab ins Lehrerzimmer und die zitternde Mathe-Lehrerin vorrechnen lassen, wie hoch nach den Regeln der Stochastik die Chance ist, dass sie die Kugel trifft, wenn 2 weitere Lehrer im Raum sind. Danach ist der Schulschönling dran, der montags immer stolz verkündete, wie viele „Löcher“ er am Wochenende „gestopft habe“. Ironie des Schicksals, dass seine Löcher keiner mehr stopfen können wird.
Der Rest sollte wahllos sterben. Ohne System müssen die Schüler zu Boden fallen wie die Kugeln während einer Lottoziehung. Einer nach dem anderen. Massensterben. Bis das Schulhaus dem Unterschlupf von Lemmingen gleicht. Eine Blutspur durch die Flure bildet sozusagen den „roten Faden“ des Verderbens.

Ist die Drecksarbeit getan, geht es auf das Schuldach. Denn der Abschied muss dramatisch sein. Ein letztes Mal kann man nun die Arme gottesgleich empor strecken bis man sich selbst richtet. Mutig. Stolz. Zielorientiert.


…Und wenn dann die sinnvolle Begründung der Tat im Abschiedsbrief fehlt, weil man einfach viel zu dumm ist, das große „L“ für „Loser“ auf der Stirn prangt und man keine politischen Ziele mit dem Amoklauf verfolgt hat. Dann, ja dann sind doch wieder die Videospiele und das Fernsehen an dem Geschehen schuld.


19.2.07 21:46
 


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