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Rebellion des weißen Feindes

Fühlt ihr euch sicher? Jetzt gerade? In diesem Augenblick? Das ist nur ein trügerischer Schein. Denn genau jetzt werdet ihr beobachtet. Schaut mal in eure Taschen und Rucksäcke. Dort lauert euer Feind. Ihr lacht. Lange nicht mehr. Das Papier es wird euch holen. Ganz recht: Papier. Zu lange habt ihr es für klein kariert gehalten. Oder als zu geradlinig angesehen. Genug! Sie haben genug von diesem schmalspurigen Leben. Diese kleinen Gremlins sind unter uns und werden uns holen. Ihr glaubt mir nicht? Habt ihr euch schon mal an Papier geschnitten??? Sie können beißen und euer Taschenkalender verliert langsam die Geduld. Ihm läuft die Zeit weg. Sie werden euch kriegen und euch reißen. So wie ihr die Blätter in eurem Collegeblock. Achtlos wegwerfen werden sie eure Leichen wie ihr gelesene PostIt’s an eurer Zimmertür. Das Brotpapier wird kommen und euch unterbuttern. Zu lange habt ihr was sie angeht nur schwarz oder weiß gesehen. Doch die Tageszeitungen werden euch von hinten eins überbraten. Wozu haben sie denn Schlagzeilen? Die Zeitungskritiken werden euch vernichten und die Leitartikel dabei die Führung übernehmen. Ab jetzt bombardieren euch Papierflieger mit nassgespeichelten Papierkügelchen. „Womit haben wir das verdient?“, werdet ihr nun schreien! Ich sag es euch. Ihr habt ihre Religion missachtet. Ihr – habt – sie – recycled! Und dabei glauben sie nicht an Reinkarnation. Sie sind wütend. Einst waren sie so mächtige Bäume im Regenwald. Und jetzt? Jetzt wurden sie degradiert zu einer Fernsehzeitung. Mit Yvonne Catterfeld auf dem Cover. Ihr glaubt jetzt vielleicht. Na gut, dann machen wir es wie Adolf – verbrennen wir diese Bastarde, diese aufmüpfigen pseudo-intellektuellen, diese ganzen Scheiß-Bücher und Arschloch-Blätter. Auf den Scheiterhaufen mit denen! Kacken wir auf sie!!! Gut, macht das. Aber mit was wollt ihr euch dann den Arsch abwischen? Und was ist mit den Taschentüchern? Was macht ihr ohne sie nach dem Sex? Ihr werdet auf den Sex verzichten. Gut! Aber ihr werdet Schnupfen bekommen. Dann werden die Taschentücher eure Nasen anschreien und rufen: „Lauft nur, Lauft!“ Doch sie kriegen euch. Sie haben einen guten Riecher. Auch, wenn ihr sie in ätherische Öle tränkt, werden sie euch finden. Sie werden Tempo machen. Und nein, sie werden nicht aufgeben. Die weiße Fahne werden sie niemals hissen. Sie wird auch nicht mehr weiß sein, sondern rot. Blutrot und blutverschmiert. Blutverschmiert mit euerem Blut. „Was können wir tun, um das zu verhindern?“, fragt ihr? Ich werde es euch sagen: Schreibt ab jetzt auf eure T-Shirts. Hängt euch Schuhe mit Nachrichten an die Zimmertüren. Säubert eure Münder nach dem Essen an der Jacke eures Nachbarn. Wischt euch den Arsch mit eurem Pullover ab oder gar nicht mehr. Nieder mit den Textilien. Unterjochen wir sie. Nieder mit den Textilien. Diese seelenlos-naiven Drecks-Kleidungsstücke. Sie haben es nicht anders verdient.
16.2.07 17:27


Abendsonne

Sehnsuchtsvoll blickte er aus seinem Fenster in der Dachwohnung. Die Sonne ging gerade unter und die letzten Strahlen blendeten ihn, sodass er seine braunen Augen zu kleinen Schlitzen zusammen kneifen musste, um die Menschen dort unten noch beobachten zu können. Doch das Leben der Stadt interessierte ihn nicht. Seine Gedanken waren ganz woanders und warfen lauter unbeantwortete Fragen auf:
Wie konnte sie mir das antun?
Warum hat sie das getan? Gegen ihren Willen!
Weshalb hat sie nicht auf ihr Gefühl gehört, sondern auf Ratio?
Warum habe ich so viel von mir preisgegeben?
Weshalb habe ich mich ihr gegenüber verletzbar gemacht?
Wie geht es jetzt weiter? Mit uns?

In seinem Magen lag dieses flaue Gefühl, welches er hasste, weil es ihm seinen Appetit verdarb und jeglichen gesegneten Schlaf raubte. Er wollte es loswerden. Schnell und für immer. Er nahm alle Gefühle symbolisch in seine Hand und ballte sie zu einer Faust. „Sie mochte sie“, dachte er als er auf seine Hände blickte. Sie mochte seine langen, schmalen Finger an den großen, mit Adern durchzogenen Händen. Doch das das war Vergangenheit.
Mit einer weiten Armbewegung warf er all seine Gefühle im hohen Bogen hinaus dem Fenster des sechsten Stocks und hinein in die Abenddämmerung der schläfrigen Stadt.

Und nach einem tiefen Atemzug fiel sein Körper hinterher.


16.2.07 01:44


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