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Unterlegen oder Unterschätzt?

Blaues „ARAL“-Basecap. Darunter: Kuriose Frisur. Speichel an den Mundwinkeln. Dahinter: Gelbe, schiefe Zähne. Dümmliches Lachen. Ringsherum: Unrasiert. Insgesamt: Groß und unförmig. Schiefer Gang. Viel zu kurze und uralte Hosen.

„Nudel-Dietmar!“ ruft es von hinten und Dietmar dreht sich um. Wie er zu diesem Namen gekommen ist, weiß heute niemand mehr. Er ist eben „Nudel-Dietmar“ und unter diesem Namen stadtbekannt. Doch nicht allein, dass ist es, was ihm zu seinem Ruf verholfen hat. Wenn man die Kinder fragt, die sich mit ihm unterhalten, antworten sie, dass er „dumm“, „behindert“, aber vor allem „leichtgläubig“ sei. Und diese Eigenschaften sind es, die sich die Kleinen zu ihrem Nutzen machen.
Nudel-Dietmar mag Kinder. Im Inneren ist er selbst eines. Er besucht gern Stadtfeste und hält sich oft vor Schulen auf, was die Lehrer stets ärgert, da sich der Fokus der Schüler sofort auf ihn richtet.
Unter Kindern und Jugendlichen ist es bekannt, dass Nudel-Dietmar an einer Kaufsucht leidet und es ihm Handys besonders angetan haben. Er besaß schon alle Formen und Farben. Woher er das Geld für die immer neuen Modelle nimmt, weiß keines der Kinder so recht. „Wahrscheinlich kauft er sie von seiner Sozialhilfe“, flüstert Chris seinem besten Freund Stefan ins Ohr. Nudel-Dietmar ist gerade umringt von 5 Kindern, die seine sechs neuesten Exemplare bestaunen. „Neu. Neu.“, posaunt Dietmar immer und immer wieder voller Stolz hinaus und das Pulk Jugendlicher beruhigt ihn nur mit einem „Ja, ja, ist ja gut, Nudel. Wir wissen es“.
Die Leichtgläubigkeit des Mannes wird ihm bei solchen Unterredungen immer wieder zum Verhängnis. „Für 15 Euro kaufe ich dir dieses Handy da ab. Das ist sooo viel Geld, dafür bekommst du im Geschäft drei neue“, unterbreitet ihm ein Junge das Angebot. Skeptisch und ein bisschen verdattert nickt Dietmar und tauscht, seinen Besitz gegen 15 Euro aus Taschengeldmünzen. Dieses Prozedere wiederholt sich bei den anderen umherstehenden Jugendlichen in der gleichen Art und Weise. Nur einmal schüttelt Dietmar heftig bei einem Angebot den Kopf und willigt nach einer leichten Erhöhung dann doch ein.
Die Jungs stehen noch im Kreis und lachen, reiben sich die Hände über ihr Geschäft, während Nudel-Dietmar seiner Wege umherschleicht. Wohin er geht interessiert niemanden und keiner weiß es.
Sein Weg endet nach Sonnenuntergang in einer kleinen, aber hübschen Einraumwohnung in einem Mittelschicht-Bezirk der Stadt. Wie jeden Abend setzt er sich auf sein Sofa und sieht fern. Wie automatisch öffnet er seinen Rucksack, zieht die „neu erworbenen“ Handys hervor und versetzt die Mobiltelefone von Chris uns seinen Freunden in den Ausgangszustand. Es hat für ihn etwas Entspannendes; Klingeltöne, SMS und Fotos zu löschen. Morgen wird er aufstehen und die fünf neuen Exemplare an andere Halbstarke verkaufen.

Nudel-Dietmar hat noch nie von Sozialhilfe gelebt. Er hat auch noch nie welche beantragt. Er verdient knapp 100 Euro pro Tag. Er lebt von der Gehässigkeit seiner Peiniger. Und jeder von ihnen ist ihm unterlegen.


17.12.06 15:00


Flach oder Rund? Oder: Wie man den Winter ausrottet

Spätestens jetzt, wo wir alle über die Gefahren des Klimawandels Bescheid wissen, sollten wir uns Gedanken über konsequentere Mülltrennung machen. Einen Schritt in die richtige Richtung beging der Kreis Ludwigsburg, wo sich ein Phänomen der besonderen Art auffinden lässt: Mülltrennung nach „rund“ und „flach“.
Veraltet ist die Aufteilung nach den unterschiedlichen Materialien. Deutschland wartet mit der „Formentrennung“ auf. Zu dumm nur, dass selbige keiner versteht.
Macht man sich an die Lösung dieses Problems stößt man bald an seine Grenzen. Was passiert also mit einer augenscheinlich „runden“ Blechdose, wenn man von oben drauf tritt und sie am Ende „flacher“ ist als die Witze meines ehemaligen Physiklehrers? Das ist eine elementare Frage, denn das oben-drauf-springen spart den leicht erschöpflichen Platz in einem WG-Mülleimer und verlängert die Lebensdauer der Mülltüte um circa drei Stunden.
So manch kuriose Idee kam mir zu der Lösung meiner täglichen Frage „rund“ oder „flach“, wenn ich meinen Abfall ansah. Am sinnvollsten erschien mir folgende:
Ich wollte in meine Mülleimerdeckel Löcher hinein schneiden. In einen Deckel einen Schlitz für “flach“ und in den anderen ein Loch für „rund“. Dieser ausgeklügelte Gedanke kam mir, als ich an das Spiel für Kleinkinder dachte, bei dem man bunte, unterschiedlich geformte Figuren in die passenden Öffnungen stecken muss. Meine WG lehnte diesen Vorschlag jedoch ab.

Vielleicht ist diese Mülltrennung aber auch ineffizient und wir sollten uns neue Trennungssysteme überlegen z.B. nach Farbe oder ideellem Wert des Mülls aus der Sicht des Besitzers. Wobei jedoch die Frage aufkäme, ob Müll denn nicht gleich Müll sei und somit wertlos für den Besitzer, weshalb man ihn ja auch wegwirft. Weiterhin sollte man sich dann auch mit dem Gedanken beschäftigen, ob man nun auch die kleinen, sinnlosen Mitbringsel von Freunden aus dem Ostseeurlaub wegwerfen sollte? Denn welchen Wert haben diese kleinen Figürchen aus zusammengeklebten und bemalten Ostseemuscheln außer, dass sie Staub fangen? Also auch weg mit ihnen. In „rund“ oder „flach“?

Weg mit den Mitbringseln! Und weg mit dem Winter!
Ab jetzt trennt Deutschland nur noch nach „rund“ und „flach“ oder am besten gar nicht mehr, denn so können wir den ekligen, matschigen Winter ausrotten und den Januar 2011 verbringen wir dann mit einem guten Buch auf der Parkbank bei schönstem Sonnenschein und warmen Temperaturen. Sagt ja, zur globalen Erderwärmung.
Vernichten wir den Winter und vernichten wir die Erde! Dann interessiert es auch niemanden mehr, ob selbige eine Kugel oder eine Scheibe ist und somit in „flach“ oder „rund“ gehört.


16.2.07 17:28


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